Offene Karten

Wer dahintersteckt, wie es funktioniert, und was es nicht kann

Mein Name ist Frederik Metz. Diese Wahlhilfe ist ein unabhängiges 1-Mann-Projekt. Keine Partei, kein Medienhaus, keine Stiftung steht dahinter. Kein Geld fließt, keine Daten werden erhoben.

Ich habe das Tool gebaut, weil mich bestehende Wahlhilfen frustriert haben: schwammige Fragen, die den echten Konflikten ausweichen. Man klickt sich durch und ist am Ende so schlau wie vorher. Mein Ziel war es, Fragen zu stellen, die eine echte Entscheidung fordern. Keine „Wir wollen alles"-Wohlfühlsätze, sondern klare Prioritäten.

Die Wahlhilfe zeigt dir, wo Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen dir und den 15 zugelassenen Parteien in Sachsen-Anhalt liegen. Sie sagt dir nicht, wen du wählen sollst.

So funktioniert dein Ergebnis

Du beantwortest zwölf Thesen mit Zustimmung, Neutral oder Ablehnung. Deine Antworten werden mit den belegten Positionen der 15 zugelassenen Parteien verglichen. Je mehr Übereinstimmung, desto höher der Prozentwert.

Zusätzlich gewichtest du zwischendurch Themen gegeneinander: bei drei kurzen Duellen entscheidest du, was dir wichtiger ist. Themen, die du dabei bevorzugst, zählen stärker in deinem Ergebnis.

Der politische Kompass platziert dich und die Parteien auf zwei Achsen: wirtschaftlich (mehr Staat ↔ mehr Markt) und gesellschaftlich (veränderungsorientiert ↔ traditionsbewahrend).

Scoring: Für jede These wird die Differenz zwischen deiner Antwort und der Parteiposition berechnet. Volle Übereinstimmung ergibt den maximalen Punktwert, multipliziert mit dem Gewicht des Themenfeldes. Ein „Neutral" auf einer der beiden Seiten zählt als halbe Übereinstimmung. Thesen, zu denen eine Partei keine belegte Position hat, werden für diese Partei übersprungen und gehen weder in den Zähler noch in den Nenner ein.

Mindestabdeckung: Überspringen allein würde Parteien mit knappem Programm bevorteilen, weil man mit drei beantworteten Fragen leichter auf 100 Prozent kommt als mit elf. Deshalb bekommt eine Partei nur dann einen Prozentwert, wenn zu mindestens der Hälfte deiner beantworteten Thesen eine Position belegt ist. Die übrigen Parteien verschwinden nicht, sie erscheinen unter dem Ergebnis mit dem Hinweis, wie viele Positionen belegt sind.

Kompass-Achsen: Jede These hat vordefinierte Gewichte auf der wirtschaftlichen (x) und gesellschaftlichen (y) Achse. Diese sind handkodiert, nicht algorithmisch abgeleitet. Das ist eine bewusste Entscheidung: automatische Dimensionsreduktion (wie PCA) würde die Achsen für Nutzer uninterpretierbar machen.

Normalisierung: Der Prozentwert einer Partei bezieht sich auf die Thesen, zu denen sie eine belegte Position hat, nicht auf alle zwölf. Eine Partei mit sieben belegten Positionen wird also an sieben Fragen gemessen. Wie viele es sind, steht bei jeder Partei im Ergebnis, damit die Zahl einordbar bleibt.

Kantenkompression: Positionen im Kompass werden mit einer Potenzfunktion (Exponent 0.7) komprimiert. Das verhindert, dass sich alle Punkte an den Rändern klumpen, und ergibt eine lesbarere Verteilung.

Die vollständige Berechnung ist in app.js einsehbar.

Wie die zwölf Thesen ausgewählt wurden

Die Auswahl folgt vier Kriterien: Lokaler Bezug (Landespolitik in Sachsen-Anhalt, nicht Bundesthemen), Trennschärfe (Thesen, bei denen die Parteien nachweislich unterschiedlicher Meinung sind), Themenbreite (Abdeckung von sechs Politikfeldern) und echte Zielkonflikte (keine „Wir wollen alles"-Aussagen).

Trennschärfe ist dabei keine Einschätzung, sondern gemessen: für jede These wird gezählt, wie viele Parteipaare sie tatsächlich auseinanderhält. Ein vorheriger Satz von 25 Thesen fiel bei dieser Messung durch. Fünf Thesen trennten kein einziges Parteipaar, und mehrere Fragen ergaben exakt dasselbe Parteimuster, waren also dieselbe Frage in anderem Gewand. Der jetzige Satz enthält nur Thesen, die zwischen rund 35 und 75 Prozent der vergleichbaren Parteipaare trennen.

Ergänzt wurde gezielt um Fragen, die quer zum Links-rechts-Schema liegen, etwa das Landespflegegeld oder der Umgang mit dem Verfassungsschutz. Bei ihnen stehen Parteien zusammen, die sonst gegeneinander stehen. Ohne solche Fragen misst eine Wahlhilfe am Ende nur eine einzige Achse, egal wie viele Thesen sie stellt.

Zwölf Thesen aus hunderten möglichen Themen sind immer eine Auswahl. Andere Themen (etwa Kulturförderung, Wohnungspolitik, Energiepreise) fehlen nicht, weil sie unwichtig sind, sondern weil sie entweder zu wenig Trennschärfe bieten oder nicht primär auf Landesebene entschieden werden.

Zustimmungs-Balance (progressiv vs. konservativ)

Bei naiven Umfragen stimmen Menschen Aussagen tendenziell eher zu als ab (Acquiescence Bias). Wenn „Zustimmung" überwiegend progressive Positionen abbildet, entsteht eine systematische Verzerrung. Ein ausgewogener Satz würde deshalb bei etwa gleich vielen Thesen in die eine wie in die andere Richtung zeigen.

Beim jetzigen Satz ist diese Balance nicht erreicht, und das sollst du wissen: Zustimmung führt bei fünf der zwölf Thesen zu einer gesellschaftlich eher konservativen Position, bei zwei zu einer progressiven, bei vier ist sie gesellschaftlich neutral. Wirtschaftlich bedeutet Zustimmung bei vier Thesen mehr Umverteilung, bei einer mehr Marktliberalität. Wer alles bejaht, landet also nicht in der Mitte, sondern in einer bestimmten Ecke. Der Grund ist die Auswahl nach Trennschärfe: die Fragen, bei denen die Parteien wirklich auseinandergehen, sind in Sachsen-Anhalt derzeit ungleich über die Achsen verteilt. Das lässt sich nicht wegformulieren, ohne schwächere Fragen aufzunehmen. Zwei Gegenmassnahmen bleiben:

Polarity Flips

Mehrere Thesen wurden bewusst so formuliert, dass die konservative oder marktliberale Position die Zustimmung ist. Zustimmung bedeutet bei diesen Thesen: Status quo beibehalten oder Regulierung zurücknehmen.

Spektrum-Abdeckung

Bei fünf Thesen ist Zustimmung die konservative oder ordnungspolitische Antwort: Abschiebungen konsequenter durchsetzen, zusätzliches Geld vorrangig in Polizeistellen statt in Prävention, den Verfassungsschutz stärken, die Videoüberwachung ausweiten, und keine neuen Solarparks auf Ackerflächen genehmigen. Sie sind bewusst so formuliert, damit „Zustimmung" nicht durchgehend die progressive Antwort ist. Dass die Balance trotzdem nicht aufgeht, steht oben.

„Auch wenn"-Klauseln

Jede These ist als echte Entscheidung formuliert, und der Preis beider Antworten ist benannt; wo eine Antwort den Status quo bedeutet, steht auch dessen Preis dabei. Das zwingt zur Abwägung statt zur reflexhaften Zustimmung.

Eine Einschränkung, die bleibt: welcher Preis benannt wird, ist selbst eine Entscheidung. Bei der Videoüberwachung steht auf der Ja-Seite, dass Unbeteiligte miterfasst werden und dass kein Programm die Kosten beziffert; auf der Nein-Seite stehen steigende Zahlen bei Bedrohungen und Sexualdelikten. Beides ist belegt, aber man hätte auch andere Zahlen wählen können, und die Auswahl verschiebt die Wirkung. Wo ein Beleg fehlt, steht das ausdrücklich dabei: ob die Kameras Kriminalität senken, ist für Sachsen-Anhalt nicht erhoben, und genau so ist es vermerkt. Die Preisschilder reduzieren den Hang zur reflexhaften Zustimmung, sie ersetzen ihn nicht durch Neutralität. Wer das prüfen will: alle Thesen sind im Detail unten einsehbar.

Gemessen statt eingeschätzt

Ob eine These trennt, wird nicht beurteilt, sondern gezählt: für jede These, wie viele Parteipaare sie auseinanderhält. Thesen, die kein einziges Paar trennten oder exakt dasselbe Parteimuster wie eine andere ergaben, sind aussortiert worden. Jedes Zitat, auf dem eine Parteiposition beruht, wurde gegen den Programmtext geprüft.

Geprüft wird von jemand anderem als dem, der die These geschrieben hat. Das hat sich bewährt: eine bereits gebaute These zur Videoüberwachung bündelte zwei verschiedene Instrumente und hätte einer Partei dadurch eine Position zugeschrieben, die in ihrem Programm nicht steht. Sie wurde vor der Veröffentlichung zurückgenommen und enger gefasst.

Trade-off-Labels

Jede These hat ein Label, das den Kernkonflikt benennt (z.B. „Inklusion vs. Tradition"). Das sind Vereinfachungen, keine absoluten Dichotomien. Sie sollen den Zielkonflikt sichtbar machen, nicht suggerieren, dass es nur zwei Seiten gibt.

Woher die Partei-Positionen stammen

Die Positionen der 15 zugelassenen Parteien werden mit einer direkten Fundstelle belegt. Jede Zuordnung (Zustimmung / Neutral / Ablehnung) ist mit ihrer Quelle dokumentiert.

Wenn eine Partei schweigt: Sagt ein Wahlprogramm zu einer These nichts, wird das nicht als „Neutral" gewertet, sondern als fehlende Position. Die These wird für diese Partei übersprungen. „Neutral" vergeben wir nur, wenn eine Partei sich erkennbar in der Mitte positioniert oder die Frage bewusst offen lässt; das ist derzeit bei 4 von 180 Zuordnungen der Fall. Schweigen als Zustimmung, Ablehnung oder Mitte zu deuten wäre eine Aussage über eine Partei, die ihr Programm nicht hergibt.

Wie vollständig die Belege sind: Von 165 möglichen Zuordnungen (15 Parteien mal zwölf Thesen) sind 79 belegt, also 48 Prozent. Das ist kein Rechercheversagen, sondern eine Eigenschaft der Programme: sie sind unterschiedlich lang und unterschiedlich konkret. Keine Partei äussert sich zu allen zwölf Thesen, die Linke kommt mit zehn am weitesten. Zwei Parteien hatten bis Redaktionsschluss am 10. August 2026 kein auswertbares Programm.

Was das für dein Ergebnis bedeutet: Die Aussagekraft des Prozentwerts hängt daran, zu wie vielen deiner Fragen eine Partei überhaupt etwas gesagt hat. Parteien mit knappem oder allgemein gehaltenem Programm lassen sich schlechter von anderen unterscheiden, weil schlicht weniger Vergleichspunkte existieren. In Einzelfällen können zwei Parteien deshalb praktisch gleich abschneiden, obwohl sie sich politisch unterscheiden: die Unterschiede stehen dann einfach nicht in beiden Programmen. Deshalb steht bei jeder Partei, auf wie vielen belegten Positionen ihr Wert beruht. Eine Zahl, die auf sieben Antworten beruht, ist etwas anderes als eine, die auf elf beruht.

Keine Interpretation: Ich leite keine Positionen aus dem allgemeinen Parteiprofil ab. Wenn das Programm nichts dazu sagt, bleibt es offen.

Nur Programme, nicht Verhalten: Die Positionen basieren ausschließlich auf Wahlprogrammen, nicht auf Abstimmungen im Landtag oder Medienaussagen. Das ist eine bewusste Vereinfachung. Was eine Partei verspricht und wie sie handelt, kann voneinander abweichen.

Der vollständige Datensatz mit allen Zitaten ist in wahlhilfe-data.js maschinenlesbar einsehbar.

Was die Wahlhilfe nicht kann

  • • Zwölf aus hunderten. Die Thesenauswahl bildet nicht alle politischen Positionen ab. Wichtige Themen können fehlen.
  • • Es gibt eine zweite Fassung mit anderer Rechenweise. Unter /neubau/ läuft dieselbe Datengrundlage ohne Themengewichtung: dort zählen alle zwölf Fragen gleich. Bei identischen Antworten können deshalb unterschiedliche Parteien vorn liegen. Das ist kein Fehler in einer der beiden, sondern der Unterschied zwischen "alle Fragen gleich wichtig" und "mir sind bestimmte Themen wichtiger".
  • • Keine Kandidaten. Die Wahlhilfe bewertet Parteilisten, nicht Einzelpersonen. Wer auf Platz 1 einer Liste steht, kann andere Positionen vertreten als das Programm.
  • • Versprechen, nicht Handeln. Die Positionen basieren auf Wahlprogrammen. Was eine Partei nach der Wahl tatsächlich umsetzt, kann davon abweichen.
  • • Vereinfachung auf drei Antworten. Zustimmung / Neutral / Ablehnung bildet keine Nuancen ab. Manche Positionen sind komplexer als Ja oder Nein.
  • • Kompass als Modell. Zwei Achsen können die politische Landschaft nicht vollständig abbilden. Die Achsendefinitionen sind meine Einschätzung, keine objektive Vermessung.
  • • Ein-Personen-Projekt. Ich habe die Thesen ausgewählt und die Partei-Positionen zugeordnet. Formulierungen und Zuordnungen sind KI-gestützt gegengeprüft worden, jede Position gegen den Programmtext, aber kein institutionelles Gremium steht dahinter. Meine eigenen blinden Flecken sind unvermeidlich.

Datenschutz & Technik

Kein Tracking. Keine Cookies. Keine Daten verlassen deinen Browser. Deine Antworten werden nur lokal auf deinem Gerät gespeichert (localStorage). Kein Backend, kein Google Analytics, keine externen Requests.

Quellcode und Datensatz sind lokal eingebunden. Gebaut mit Alpine.js und Tailwind CSS. Keine externen Schriftarten, keine CDNs.

Alle zwölf Thesen im Detail

Jede These mit Themenfeld, Trade-off und Hintergrund.

Methodik zuletzt aktualisiert: 12. August 2026